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Back to the Roots – Gospel aus den USA in Darmstadt, Mainz und Seeheim


Zwei Gospelkonzerte, zwei Gospelworkshops und zwei Gospelgottesdienste standen auf dem Programm der Musiker Kim und Reggie Harris, die vom 2. bis 11. März auf Einladung des Chorverbandes, Fachkreis Pop und Gospel, in der EKHN zu Besuch waren.

Besonders beeindruckt waren die beiden Gäste aus New York, dass Spiritualmelodien und Lieder der US-Bürgerrechtsbewegung im Evangelischen Gesangbuch der EKHN zu finden sind – und gerne von unseren Gemeinden gesungen werden. Kim und Reggie Harris ließen sich nicht zweimal bitten, mit den Teilnehmerinnen „We shall overcome“, zu singen, denn mit Pete Seeger waren sie persönlich befreundet.

Die Atmosphäre in den beiden Gospelworkshops war unbeschreiblich intensiv. Sofort waren die Teilnehmer tief in den Groove und Rhythmus der afroamerikanischen Musik eingetaucht. Unter Anleitung der Referenten wurde in kürzester Zeit und mit viel Freude zu traditionellen Gospelmelodien eine zweite, dritte und vierte Stimme improvisiert. Spontan ausgeführte Solos und „Shouts“ rundeten das Erlebnis ab. Das ist „Folk-Style“, und so werden die Gospels noch heute in den Gottesdiensten gesungen.

Auch „Modern Gospels“ in verschiedenen aktuellen musikalischen Stilen und mit komplizierter Rhythmik wurden erarbeitet, wie unter anderem „No One Like You“ von Christopher Watkins.

Bei der Gospelmesse am Sonntag, dem 11. März in der Christuskirche Darmstadt-Eberstadt sangen die Teilnehmer gemeinsam mit den Gottesdienstbesucherinnen Teile der vierstimmigen „Mass of Spirituals“ (Welcome Table, 2010, by GIA Publications) von Kim Harris und Roger Holland II. Dr. Kim Harris, sie ist im Hauptberuf Theologin < an der Loyola Marymount University Los Angeles, California, hat eine auf alten Spiritualmelodien basierende vollständige Messliturgie zusammengestellt. Diese Messliturgie ist in den offiziellen Kanon der afroamerikanischen katholischen Kirchen aufgenommen worden. Roger M. Holland II hat die Melodien vierstimmig ausgesetzt – es gibt sogar eine Orchesterversion, denn die Messe wurde in den USA auch konzertant aufgeführt. Von Roger M. Holland II stammte auch ein weiterer Workshopsong „Building up the Kingdom“.

Informationen zur „Underground Railroad“, „secret information“, also der geheimen Kommunikation, Geschichtliches zu älteren und zeitgenössischen Gospels und Hintergründe zu Liedern der Widerstandsbewegung „Civil Rights Movement“ rundeten die Workshops ab. Wir durften aus erster Hand erfahren, wie die Musiker die augenblickliche politische Situation in den USA beurteilen. Kann man aus der Geschichte der Gospels und der Freiheitsbewegung für die Gegenwart lernen? Viele afroamerikanische Musiker sind überzeugt: die Hoffnung auf Frieden und gerechtes Zusammenleben aller Menschen muss wachgehalten und an die nächste Generation weitergegeben werden. Durch Gesang und Musik können wir uns friedlich mit vielen anderen Menschen über Kontinente und Sprachgrenzen hinweg verbinden. Diese Verbindung war in den Workshops, Gottesdiensten und Konzerten für alle Teilnehmerinnen und Besucher hautnah zu spüren.

Der Verband Evangelischer Chöre und die EKHN-Stiftung haben diese außergewöhnlichen Events finanziell unterstützt. Der Pianist Mark Schwarzmayr hat als Korrepetitor die Workshops und als Klavier- und Hammondorgelvirtuose sämtliche Gottesdienste und Konzerte kongenial mitgestaltet. Weiterer besonderer Dank gilt der Vorsitzenden des Chorverbandes, Frau Dr. Susan Durst, die im Vorfeld die Kommunikation mit dem amerikanischen Management der Künstler übernommen hat. Dank ihres Engagements konnten viele kleinere, größere, oder neu auftauchenden Fragen beantwortet, geklärt und die Workshops realisiert werden.

Stefan Mann, Barbara Pfalzgraff, Marion Huth